Montag, 20. Januar 2014

Es wird keine Helden geben


Bei einer Leserunde bei Lovelybooks habe ich "Es wird keine Helden geben" gewonnen. Geschrieben wurde es von der jungen Autorin Anna Seidl. Es erschien jetzt ganz frisch bei Oetinger

Hier mehr Infos


Gebundene Ausgabe mit Hardcover,
251 Seiten, 14,95 €



Die 15-jährige Miriam erlebt an ihrer Schule einen Amoklauf mit. Einige Menschen sterben an diesem Tag, darunter ihr Freund Tobi. Fortan muss Miriam mit diesem traumatischen Erlebnis fertig werden...
Anna Seidls Schreibstil ist sehr flüssig und leicht verständlich. Er passt perfekt zu diesem Jugendbuch und wirkt auf mich sehr glaubhaft. Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive, aus Miriams Sicht erzählt.

Mit Miriam als Hauptcharakter konnte ich mich sofort anfreunden. Sie war mir sympatisch und ich konnte mich sehr gut in ihr Gefühlsleben hineinversetzen. Bis zu diesem schrecklichen Tag war Miriam ein ganz normales, wenn auch recht beliebtes Mädchen mit vielen Freundinnen. Die Freundinnen lernt man eher flüchtig kennen.
Das Buch beginnt sofort mit dem Amoklauf, welcher recht schnell erzählt ist. Ich finde es gut, dass dieser nicht zu ausgeschmückt ist, denn das Hauptthema dieses Buches ist ja, unter anderem, Trauerbewältigung. 

Miriam überlebt knapp den Amoklauf, welcher von ihrem Mitschüler Matias Staudt begannen wird, der an dem Tag auch ums Leben kommt. Das Schlimmste für Miriam ist wohl der Verlust ihres Freundes Tobi, den sie sehr liebte. Die ganzen Phasen der Trauer und des Traumas, welche Miriam danach durchlebt, wirken sehr realistisch. Sie muss lernen, ihr Schicksal anzunehmen und ein neue Leben zu beginnen. Eine Psychotherapie, welche toll umgesetzt wurde, sowie ihre Familie, hilft ihr dabei.

Die Familiensituation ist ein, wie ich finde, wichtiges Thema. Miriams Vater hat selten Zeit für sie, aufgrund seiner Arbeit. Und ihre Mutter hat sie und die Familie vor Jahren verlassen. Nach dem Amoklauf kehrt die Mutter zurück, um für Miriam da zu sein. Miriam kann das anfangs nur schwer akzeptieren. Sie hatte ihr Leben ohne die Mutter eigentlich schon längst akzeptiert. 
Letztendlich gefiel mir die Entwicklung dieser Mutter-Tochter-Beziehung nicht allzu gut. Es war etwas zu einfach, zu perfekt und es fand keine richtige Aufarbeitung der Vergangenheit statt. Etwas mehr Tiefe in dieser Hinsicht wäre wünschenswert gewesen.

Immer wieder sind Rückblenden in die Geschichte eingebaut wodurch der Leser einen Eindruck bekommt, wie Miriams Leben vor dem Amoklauf ablief. Auch erfährt man ungefähr, was den Täter zu dieser grausamen Tat antrieb. 

Wie Miriam zunächst Schritt für Schritt versucht, ihr neues Leben zu akzeptieren wurde gut und glaubhaft umgesetzt. Allerdings war mir das Ende etwas zu perfekt. Vielleicht hätten ein paar mehr Seiten das ganze abrunden können und der Entwicklung zum Schluss so etwas an Schnelligkeit nehmen können.
Amoklauf, Mobbing, Trauma, Verlust, Trauer, Freundschaft - viele ernste Themen die bei mir am Ende ein beklemmendes Gefühl hinterließen. Über dieses Buch werde ich wohl noch eine Weile nachdenken. Gerade auch, weil ich die Geschichte als sehr realitätsnah empfand. Trotzdem ist dies gleichzeitig auch eine lebensbejahende Geschichte!
Auf Grund der genannten Schwächen vergebe ich vier Sterne. Und was man ganz klar sagen muss: Ein beeindruckendes Erstlingswerk einer sehr jungen deutschen Autorin!


Ein gutes Buch, lesenswert!

Was ist eure Meinung zu diesem Buch? Schon gelesen, oder habt ihr das noch vor? Oder ist dieses sehr ernste Thema nichts für euch?


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