Sonntag, 10. März 2013

Unbekannt verzogen - Alles begann mit einem Brief

 Ganz frisch im Insel Verlag erschien der erste Roman von Tom Winter "Unbekannt verzogen - Alles begann mit einem Buch". 

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Taschenbuch, Erscheinungsdatum 11.03.13
12,99 €, 281 Seiten

                              


Ich verwende ausnahmsweise einmal die Inhaltsangabe des Verlags, weil ich diese am passendsten finde:


Carol hat es gründlich satt: Da ist sie mit einem Mann verheiratet, dessen Rumgejammer bei ihr beinahe Mordgelüste weckt, hat eine halbwüchsige Tochter, die ihr vorkommt wie ein Alien im eigenen Haus, und nun auch noch das – endlich hatte sie sich ein Herz gefasst, nach Athen abzuhauen, da macht das Schicksal ihr einen Strich durch die Rechnung. Und dann ist da Albert: Der Briefträger schlurft einsam und lustlos durchs Leben, seit seine Frau gestorben ist. Nicht mal seine selbstmordgefährdete Katze Gloria schenkt ihm so recht Beachtung. Und jetzt, kurz vor der Rente, wird er auch noch dazu verdonnert, unzustellbare Briefe zu sortieren. Er gehört wohl endgültig zum alten Eisen – doch plötzlich trudeln bei ihm Briefe einer anonymen »C.« ein, schlagartig fühlt er sich ihr verbunden wie einer alten Freundin und macht sich auf den Weg, sie zu finden…

Tom Winters Schreibstil hat mir sehr gefallen. Er liest sich sehr flüssig und hat einen guten Schuss Sarkasmus, durch welchen die eigentlich traurigen Themen gut aufgelockert und in ein anderes Licht gerückt wurden. Die beiden Haupt-Charaktere sind wirklich liebenswert. Sei es nun der einsame Albert, der oft Selbstgespräche führt und nur seine Katze als richtige Bezugsperson hat, oder eben Carol, die einen Hypochonder zum Ehemann hat und eine Tochter die sich schrecklich ihr gegenüber aufführt. 

Eigentlich wollte Carol ihren Ehemann verlassen und nach Athen reisen, doch als bei dieser einen Tumor in seinem Hoden ertastet, wirft sie diese Entscheidung vorerst über Bord. Dabei liebt sie ihren Mann schon lange nicht mehr und muss immer an Richard denken, mit dem sie vor vielen Jahren eine Affäre in Athen hatte. Und ihre Tochter macht es ihr auch nicht leicht. Ihre beste Freundin rät ihr daher, ihren Frust von der Seele zu schreiben indem sie Briefe an das Universum schreibt. Das wirkt wie eine Therapie auf Carol. 
Genau die unzustellbaren Briefe erreichen schließlich Albert, der kurz vor seiner Pensionierung im Postamt für das Sortieren solcher unzustellbaren Briefe zuständig ist. Es verstößt zwar gegen jede Vorschriften, aber trotzdem öffnet Albert heimlich diese Briefe und liest sie. Fortan werden sie zu seinem Lebensmittelpunkt, denn er glaubt, dass er in Carol eine Freundin gefunden hat. Dabei weiß er nicht mal ihren Namen und Carol ahnt gar nicht, dass ihre Briefe von jemanden gelesen werden. 

Der Schluss der Geschichte hat mich sehr überrascht, denn sie wird plötzlich sehr sentimental und auch ernst. Das hat mich zunächst irritiert, denn man ist ja solche Züge gar nicht gewohnt. Dennoch fand ich genau diese unerwartete Entwicklung toll, denn dadurch war die Geschichte überhaupt nicht mehr vorhersehbar! Erst am Ende erfährt man, ob Albert an seiner Einsamkeit etwas ändern kann und ob Carol aus ihrem alten Leben ausbrechen kann. Ob die beiden sich kennenlernen, möchte ich auch nicht verraten.
Tom Winter ist es gelungen, eine sowohl lustig-sarkastische als auch gefühlvolle Geschichte zu schreiben. Für mich war "Unbekannt verzogen" ein unterhaltsames, kurzweiliges Lesevergnügen mit einem sehr gelungenen Schluss! Ich vergebe vier Sternchen.
Ein gutes Buch, lesenswert!




Danke an Suhrkamp/Insel für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares!




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