Donnerstag, 3. Januar 2013

Kontrolliert außer Kontrolle

Am 1. November 2012 erschien bei Schwarzkopf & Schwarzkopf die Tagebuchaufzeichnungen von Hanna-Charlotte Blumroth vom Lehn. Durch das Schreiben dieses Buches konnte sie über ihre schwere Krankheit reflektieren.

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352 Seiten, 9,95 €
Taschenbuch


Im Frühjahr 2008 erkrankte die damals 16-jährige Hanna langsam aber sicher an der heimtückischen Krankheit Magersucht. In dem Buch schreibt sie von damals bis zum Jahr 2012 ihre Gedanken und den  schweren Verlauf ihrer Erkrankung. 
Zunächst möchte ich etwas über den Schreibstil anmerken. Man muss bedenken, dass Hanna keineswegs eine professionelle Autorin ist und dass es sich bei diesem Buch um die Aufzeichnungen eines Tagebuchs handelt. Hanna hat genauestens ihre Gedanken, Gefühle und Erlebnisse, die ihr während dieser Zeit widerfahren sind festgehalten. Und somit pflegt sie einen sehr einfachen Schreibstil, der aber alles sehr authentisch wirken lässt, gerade so, wie man wahrscheinlich den Schreibstil in seinem eigenen Tagebuch führen würde. Es ist nichts verschönigt oder übertrieben dargestellt. Alles was sie schreibt, wirkt auf mich sehr glaubhaft.

Zu Beginn schildert sie, wie langsam immer tiefer in die Krankheit abrutscht. Wie bei so vielen Magersüchtigen, gesteht sie sich das natürlich lange Zeit nicht ein, obwohl sie von der Familie und den Freunden immer wieder darauf angesprochen wird. Mit der Zeit wird sie immer dünner und dünner, treibt dazu intensiv Sport. Hanna ist sehr gut gelungen, mir ihre Krankheit nahe zubringen  Ihre Gedanken, die sich immer fast nur ums Essen und Abnehmen drehen, sind immer auf den Punkt gebracht und sehr ehrlich. Außenstehende, die diese Krankheit bisher noch nicht richtig verstehen konnten, werden es nach diesem Buch können. Man erhält sehr detailreiche Einblicke in die teuflische Gedankenspirale, in der man durch die Magersucht gefangen ist. Hanna beschreibt den inneren Kampf mit ihrer "gesunden Seite" und der "kranken Seite". Am Anfang sind die Stimmen dieser beiden Seiten noch etwa gleichlaut, aber nach und nach wird die gute Stimmt immer leiser, bis sie fast ganz verstummt.
Ich verstehe nun, wieso es so schwer ist gegen diese Krankheit anzukämpfen, wieso es viele niemals schaffen. Bei Hanna ist es aber auch besonders kompliziert. Sie selbst sagt von sich, dass sie nicht weiß wer sie ist, wenn sie die Magersucht besiegt. Wer ist sie, wenn nicht mehr Hanna, die Magersüchtige? Die Sucht gibt ihr neben einer gewissen Selbstfindung auch Kontrolle. Die Kontrolle über ihr Gewicht. 
Selbst mehrere Klinikaufenthalte können ihr nicht helfen, auf Dauer zu zunehmen oder das Gewicht zumindest zu halten. Teilweise wird ihre Essstörung sogar schlimmer danach. Es hat bis heute einfach nicht "Klick" bei ihr gemacht. 
Trotz allem hat sie ihr Abitur gemacht und angefangen zu studieren. Sie war sogar mehrmals bei Stern-TV und ließ sich auch vom Kamerateam begleiten, um über ihre Krankheit öffentlich zu sprechen und andere davor zu warnen bzw. anderen Mut zu machen, den Kampf gegen die Magersucht aufzunehmen. 
Durch dieses Buch habe ich einige sehr intensive und ehrliche Einblicke in die Krankheit Magersucht erhalten. Ich wurde zum nachdenken angeregt, das mag ich bei solchen Themen sehr gerne. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich für das Thema Essstörung interessiert, oder der sich gerne einmal auseinandersetzen möchte. 
Und natürlich wünsche ich Hanna Blumroth, dass sie es irgendwann schafft, die Krankheit zu besiegen und anfangen kann, ihr Leben richtig zu genießen!

Ein sehr gutes Buch








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